Liebe Leserin, lieber Leser

anstelle eines Frühlingsbildes und passenden erfrischenden Worten finden Sie auf diesem Gemeindebrief das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“. Dieses Zeichen kennen wir aus der Friedensbewegung der DDR-Jugend „Frieden schaffen ohne Waffen“. Als Harald Brettschneider 1980 das Bild und die Worte zu einem Lesezeichen zur Friedensdekade zusammenstellte, tauchte es auch als ungern gesehene Einleger in Schulbüchern auf. Ein Jahr später wurde das Lesezeichen dann als Aufnäher entwickelt. Viele junge Leute steppten es sich auf den Parka oder auf Jeansjacken. Das erregte großes Aufsehen und extremen Ärger in der Schule, denn dieser biblisch fundierte Wunsch nach Frieden passte nicht ins sozialistische System und musste entfernt werden. Allerdings liegt diesem Symbol erstaunlicher Weise eine Skulptur des Russen Jewgeni Wutschetitsch zugrunde, die von der Sowjetunion zur Weltausstellung 1958 in Brüssel gezeigt wurde. Brettschneider kombinierte die Plastik mit dem Bibelwort genau zu der Zeit, als die Russen in Afghanistan einmarschierten. Zu den Friedensdekaden um Buß- und Bettag ist es weiterhin gebräuchlich und hat von seiner Wirkmächtigkeit nichts verloren. Im Gegenteil, gerade jetzt, wo ca. 1500km von uns seit einigen Tagen Putins Krieg gegen die Ukraine geführt wird, bleibt es eine deutliche Aussage. Die Szenen, die sich in der Ukraine abspielen, sind kaum zu fassen. Kinder und Frauen müssen ihre Heimat verlassen, um ihr nacktes Leben zu schützen. Männer verteidigen ihr Land gegen eine unberechenbare Macht, die brutal und skrupellos in fremde Territorien einzieht und alles platt macht, was sich in den Weg stellt. Tränen, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Wut und komplettes Unverständnis herrscht in der Welt angesichts dieser Tragödie, deren Ausmaß sich noch nicht abschätzen lässt. Aber auch große Angst macht sich in uns breit, mit welcher Willkür Demokratie zerschlagen wird, wie Menschenrechte mit Füßen zertreten werden, wie Hass geschürt wird. Jetzt guckt uns dieses Bild des Schmiedes, der Waffen umformt wieder eindringlich an, zwar außerhalb der üblichen Tage, dennoch in dieser Bußzeit jetzt vor Ostern mit einer unverblümten Botschaft, als wollte er sagen: haltet zusammen, betet füreinander, helft jeder und jedem Bedürftigen, spart nicht mit Zuneigung und singt „Gib Frieden Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf“.

Jedes Opfer, gleich auf welcher Seite, stürzt uns in Trauer!

Ihre Pastorin Petra Bockentin

Der aktuelle Gemeindebrief

Unsere Gottesdiensttermine